Presse

Die Schnelllebigkeit anhalten

von Karin Prignitz

NW Schloss Holte-Stukenbrock

Dienstag 27. September 2010
von Karin Prignitz

Die Schnelllebigkeit anhalten
Bei Michael vonFindt liegen Geborgenheit und Ausgeliefertsein nah beieinander

Schloß Holte-Stukenbrock
(kap). „Ich hoffe, dass die Fans mitreisen“, sagt Michael vonFindt. An den drei vergangenen Wochenendtagenhat der 36-Jährige einige seiner ungewöhnlichen, kontrastreichen, provozierendenFotografien an der Bahnhofstraße 48 ausgestellt. Wer mehr sehen möchte, muss sich bis zum Dezember gedulden.
Dann wird vonFindt in Detmold mehr zeigen.
Der Softwaredesigner ist Autodidakt und dennoch innerhalb kürzester Zeit bereits so erfolgreich, dass er im anerkannten Artes-Kunstkatalog mit drei seiner Bilder vertreten ist. Wenn ihn die Leidenschaft einmal gepackt habe, „dann gehe ich immer über 100 Prozent hinaus“, erläutert vonFindt sein steiles Klettern auf der Erfolgsleiter.
Der Vielfotografierer selektiert aus. „Deshalb bleiben von 1.000 Fotos oft nur 40 übrig“, die Gnade vor seinen kritischen Augen finden. 34 sind in der Ausstellung „Schwere des Seins“ zu sehen. Nackte, dünne Modells, aber ausdrücklich keine Profis, weil die ihm nicht natürlich und spontan genug sind, bannt er auf seine Bilder, „und ich bekomme von ihnen unglaublich viel Energie zurück“. Das gewisse Etwas müssen sie mitbringen. „Ich habe eine Affinität zu besonderen Gesichtern“, bestätigt vonFindt. In immer wieder anderen Posen hat er sie abgelichtet.
Zumeist Szenen, in denen viel Widerspruch zu erkennen ist, in denen sich Traurigkeit, Angst und Neugierde vereinen, in denenGeborgenheit und Ausgeliefertsein so nah beieinander liegen. VonFindt möchtedie Schnelllebigkeit anhalten, den Blick des Betrachters schärfen, ihn an das Bild binden. Weg von der Oberflächlichkeit. Der umtriebige Fotograf verändert, lässt Dinge wie Brustwarzen bewusst weg, schafft dafür andere. Immer wieder tauchen Hilfsmittel, wie eine Tonne, ein Teddy, ein Schädel oder ein Kreuz in den Ausstellungsräumen auf, die auch in den Fotografien zu erkennen sind.
Mit seinen angeklebten schwarz-gelben Linien auf dem Boden möchte vonFindt dazu anregen, eine gewisse Distanz zu wahren. Mit ein bisschen Abstand kann die faszinierende Tiefe der Grau- und Schwarztöne ohnehin viel besser aufgenommen werden. Als Kontrast hat er Bilder aus seiner neueren Serie „Newton Girl“ mitgebracht, „um zu zeigen, dass ichauch andere Bilder mache“.

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Schwere Kost

von Matthias Kleemann

Westfalen Blatt Schloss Holte-Stukenbrock

Dienstag 24. September 2010
von Matthias Kleemann

Schwere Kost
Michael vonFindt  zeigt Fotos unter dem Titel “Schwere des Seins”

S c h l o ß H o l t e – S t u k e n b r o c k (WB). Schön imlandläufigen Sinn sind sie nicht, die Bilder des Michael vonFindt. »Das war auch nicht meine Absicht«, sagt der 36- Jährige.

Wer die Geschäftsräume der ehemaligen Schlecker-Filiale an der Bahnhofstraße betritt, das geht ab heute Abend, 19 Uhr, wenn vonFindt zur Vernissage einlädt, der blickt in düstere Welten.

Fotografien, die nur aus dunklen Tönen zu bestehen scheinen, Szenen, die an Horror-Filme erinnern, vielleicht auch an gewisse Computerspiele, und dabei unterschwellig mit Gewaltphantasien und erotischen Andeutungen spielen.

Doch vonFindt verdirbt dem Betrachter sofort die Lust an der Betrachtung aus dem voyeuristischen Blickwinkel, indem er die Wirkung der Darstellungen mit ein paar gezielten digitalen Eingriffen bricht. Die gezeigten Models, meist Frauen, haben zwar auf vielen Bildern nackte Oberkörper, aber keine Brustwarzen. Schminke, Licht und Verfremdung lassen sie hohlwangig und geschunden erscheinen.

Merkwürdige Requisiten tauchen auf. Ein Fass, ein Teddybär, mit Nadeln traktiert wie eine Vodoo-Puppe, Fesseln und immer wieder Kreuze, Kreuze, Kreuze. »Das wird hier im Ort vielleicht nicht so gut ankommen«, sagt Michael vonFindt und weist dann auf ein Bild hin, auf dem auch eine Priesterfigur erkennbar ist. »Ich habe dieses Foto einen Tag, bevor das mit den Missbrauchsfällen bekannt wurde, gemacht«, erzählt er.

Langsam zeichnet sich ab, worum es dem Fotografen geht. Es sind die Qualen der Kindheit, der Schönheitswahn, das fremdbestimmte Leben. Wer hat Macht über mich? Hänge ich nicht nur an Seilen wie eine Marionette? Was tun andere mir an, was tue ich mir selbst an? Dabei will vonFindt dem Betrachter eigene Deutungen nicht verbieten. Nur ein wenig Abstand, um die Bilder in ihrer Gänze zu erfassen, ist vorgeschrieben. Gelbschwarzes Klebeband markiert vor den Wänden eine Linie, die nicht übertreten werden darf. Auch die Requisiten aus den Shootings sind leibhaftig vertreten.

Die Bilderserie »Schwere des Seins« ist mit dem Ziel einer Ausstellung innerhalb eines halben Jahres entstanden. 10000 Mal hat vonFindt auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt, um am Ende 40 Bilder vorweisen zu können. Farbe ist darin nur in einer begrenzten Palette von Sepiatönen vorhanden. Low Key nennt sich diese fotografische Stilrichtung, bei der es kaum richtiges Weiß, sondern nur Schwarz in unterschiedlichen Ausprägungen und ein Spiel mit den Kontrasten gibt. Und warum sind fast Ausschließlich Frauen auf den Fotos?

»Ich fotografiere halt lieber Frauen «, sagt vonFindt. Entstanden sind die Bilder im Privatstudio des Fotografen, der seit zwei Jahren in Schloß Holte-Stukenbrock lebt und ungefähr genauso lange der Fotografie frönt. Aufgewachsen ist er in Detmold, gelernt hat er einen kaufmännischen Beruf, hauptberuflich tätig ist er als Software-Entwickler einer großen Firma in Detmold. »Ich bin Autodidakt«, erklärt er.

»Bevor ich damit angefangen habe, hatte ich nie eine Kamera in der Hand.« Allerdings hat er eine Zeitlang selbst als Model vor der Kamera gestanden. Kontakte zu namhaften Fotografen aus dem Profilager bestärkten ihn, auf die andere Seite zu wechseln. Mit Erfolg. Neben seinen künstlerischen Arbeiten hat er auch den ein oder anderen Werbeauftrag.

»Schwere des Seins« soll nur der Anfang sein. Michael vonFindt will für eine weitere Fotoserie das Thema Sucht aufgreifen. Ausstellungen in Berlin, Düsseldorf und Köln sind geplant. Die Ausstellung in Schloß Holte-Stukenbrock wird am heutigen Abend um 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Samstag und Sonntag ist sie jeweils von 14 bis 20 Uhr zu sehen.

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Die Schwere des Seins

von Sabine Kubendorff

NW Schloss Holte-Stukenbrock
Dienstag 31. August 2010
von Sabine Kubendorff

Die Schwere des Seins
Michael vonFindt stellt aus

Er ist neu in der Stadt und möchte sich Kunstinteressierten mit einer provozierenden Bilderschauvorstellen. Michael vonFindt zeigt vom 24. bis 26. September auf 240 Quadratmetern mindestens 30 Fotos mit zum Teil verstörender Wirkung. Auf „Die Schwere des Seins“,so der Ausstellungstitel, macht der Fotograf seit einigen Tagen mit großflächigen Bannern aufmerksam.

Sie hängen in den Schaufenstern des ehemaligen DrogeriemarktesimHausBahnhofstraße 48 und zeigen einen Vorgeschmack auf die Bilder, die die Besucher erwarten: eine junge, extrem magere Frau in düsterster Kulisse, ihre Arme sind durch Seile fixiert. Titel des Fotos: Puppet, zu deutsch: Marionette. In vonFindts Arbeitenfinden sich Traurigkeit, Angst und Neugier, brutale Distanzlosigkeit und verletzliche Blicke. Die Ausstellung wirdamFreitag, 24. September, um 19 Uhr eröffnen.

Michael vonFindt wird selbst in seine Arbeiten einführen. Die Ausstellung ist dann am 25. und 26. September jeweils von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Alle nteressiertenundNeugierigen sind willkommen. Persönliche Einladungen werden nicht verschickt. „Die Schwere des Seins“ soll anschließend in verschiedenen Orten Deutschlands gezeigt werden.

Dass er zum Auftakt in Schloß Holte für Gesprächsstoff sorgen wird, ist vonFindt klar. „Die Reaktionen der Besucher“, sagt er, „sind mir wichtig, weil sie meine Arbeit spiegeln und michinspirieren.‘

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